Welche Form der Psychotherapie ist für mich die richtige?

In Deutschland werden aktuell 3 unterschiedliche Psychotherapieverfahren von den Krankenversicherungen als wirksam anerkannt und deren Kosten übernommen.

  • Psychodynamische Verfahren: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse

  • Kognitive Verhaltenstherapie

  • Systemische Therapie

Psychodynamische Verfahren

Unter diesem Begriff werden die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zusammengefasst. Sie basieren in ihrem Ursprung auf den Lehren des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Der Fokus liegt auf dem Bewusstmachen des „Unbewussten“.

Im Rahmen der Psychoanalyse sollen unbewusste bzw. verdrängte Konflikte und Widerstände aufgedeckt werden, welche aktuellen Belastungen oder Störungen zugrunde liegen. Die Therapie findet im Sitzen oder im Liegen statt und die Sitzungen finden in der Regel mehrfach wöchentlich statt. 

Auch bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie liegt der Fokus auf der Auseinandersetzung mit dem Unbewussten. In Abgrenzung zur Psychoanalyse konzentriert sich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie auf einen zentralen Konflikt, welcher gezielt bearbeitet wird . Die Therapie findet meist im Sitzen einmal wöchentlich statt.  

Systemische Therapie

Die Systematische Therapie betrachtet Psychische Erkrankungen vor dem Hintergrund des Umfeldes- dem sozialen Kontext. Eine Person wird dementsprechend als Teil eines Systems, wie z.B. eines Familien- oder eines Paarsystems betrachtet. Psychische Störungen wird eine bestimmte “Funktionalität” innerhalb diese Systems zugeschrieben, weshalb die Beziehungen und die Verhaltensmuster zwischen den einzelnen Mitgliedern eines Systems zentraler Teil der Behandlung sind.

Im Rahmen der Behandlung ist es nicht unüblich, dass relevante Bezugspersonen, wie z.B. Familienangehörige oder Freunde, in die Therapie einbezogen werden. Hierdurch können gemeinsam Veränderungen in der Beziehungsgestaltung, wie z.B. der Kommunikation und Interaktion erprobt werden. Die Therapie findet meist einmal wöchentlich im Sitzen statt, kann aber auch in deutlich größeren Zeitabständen durchgeführt werden. 

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie geht davon aus, dass unsere Verhaltensweisen im Laufe unseres Lebens aufgrund von Erfahrungen erlernt wurden und dementsprechend auch verändert bzw. neues Verhaltens erlernt werden kann. Sie ist das wissenschaftlich am besten erforschte Psychotherapieverfahren.

Die kognitive Verhaltenstherapie setzt im Hier und Jetzt an und erforscht das Verhalten, welches heute Belastungen bzw. Probleme verursacht. Dafür werden anhand von konkreten Situationen ungünstige Verhaltensmuster und Denkstile identifiziert und auf ihre Angemessenheit überprüft. In der Behandlung werden Techniken zur schrittweisen Akzeptanz und Veränderung von Gedanken und Gefühlen und den damit einhergehenden Körperreaktionen eingesetzt. Zudem werden alternative Verhaltensweisen durch Übungen im Rahmen des Therapieprozesses erprobt, um diese langfristig selber im Alltag umsetzen zu können. Die Therapie findet meist einmal wöchentlich im Sitzen statt. 

Moderne Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie wird viel beforscht und permanent weiterentwickelt. Die sogenannten “Dritte-Welle-Verfahren” der Verhaltenstherapie beschreiben die Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie um therapeutische Ansätze, welche sich über verschiedene Störungsbilder hinweg als wirksam erwiesen haben.

  • Schematherapie: Bei diesem Verfahren geht es sowohl um ein besseres Verständnis der biografischen Entwicklung ungünstiger Schemata (Muster) im Denken, Handeln und Fühlen als auch um deren Veränderung im Hier und Jetzt hin zu “gesünderen” Schemata.

  • Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT): Hierbei geht es um das Entwickeln von Akzeptanz gegenüber herausfordernden Gedanken und Gefühlen und das Commitment auf persönlich wichtige Ziele und Werte im Leben

  • Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT). Bei diesem achtsamkeitsbasierten Verfahren geht es um das Erlernen einer achtsamen Haltung gegenüber herausfordernden Gedanken, Gefühlen und Körperreaktionen

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), welche auf eine Verbesserung der Emotionsregulation sowie der zwischenmenschlichen Fertigkeiten abzielt (zunächst für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt)

  • Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP): Dieses Verfahren kombiniert kognitive und verhaltensbezogene Methoden (insbesondere zur Behandlung chronischer Depressionen)

  • Compassion-Focused Therapy (CFT): Über die Achtsamkeit hinaus geht es bei diesem Ansatz um die Stärkung einer selbstmitfühlenden Haltung. Hierdurch können Patienten lernen, herausfordernd erlebte Gefühle, Gedanken, Körperreaktionen und Verhaltensweisen achtsam wahrzunehmen und sich diesen in einem weiteren Schritt durch Selbstmitgefühl zuzuwenden und die eigenen Bedürfnisse selbst zu versorgen.